Das dürfte ihm schwerfallen. Denn ein Anhänger des Solipsismus (lat. solus=allein, ipse=selbst) glaubt, dass es nur sein eigenes Bewusstsein gibt und nichts anderes real ist. Ein paar Philosophenmeinungen:
- “Die Außenwelt könnte ein bloßer Traum sein” sagt der französische Philosoph René Descartes. In seinem Werk “Meditationen” kommt er zu dem vielzitierten Schluss: “Ich denke also bin ich” (Cogito ergo sum / Je pense donc je suis). Man selbst existiert wie die Welt also allein durch das Denken. Aus dieser solipsistischen Konsequenz rettete er sich damals mit einem Gottesbeweis, der heute allgemein als schwer nachvollziehbar gilt. Die Moderne hat die die geträumte Welt zu der Frage sublimiert (erhöht): “Ist die Realität eine durch Alkoholmangel verursachte Illusion?”
- “Die Welt ist meine Vorstellung” erhebt Arthur Schopenhauer zum obersten Prinzip seiner Philosophie. Von den Solipsisten grenzt er sich jedoch recht deutlich ab, indem er den Solipsismus als “uneinnehmbares Blockhaus verschanzter Irrer” bezeichnet. Die Uneinnehmbarkeit besteht darin, dass man den Solipsismus nicht wiederlegen kann. Der sieht sich selbst nämlich nur als epistemologische (erkenntnistheoretische) Möglichkeit.
- “Ich bin nicht ein Ich neben anderen Ichen, sondern das alleinige Ich: Ich bin einzig.” denkt Max Stirner, ein deutscher Philosoph und Journalist des 19. Jahrhunderts. Ist die Erkenntnis, dass man möglicherweise das eigene Bewusstsein das einzig Seiende (vornehmer philosophischer Ausdruck für existierend) ist eine Rechtfertigung für eine egoistische Position?
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“1. Nichts existiert.
2. Selbst wenn etwas existiert kann man nichts darüber wissen.
3. Selbst wenn man etwas darüber wüsste, könnte man es anderen nicht kommunizieren.”
Mit diesem axiomatischen Zugang begründete der Skeptiker Gorgias von Leontini im 4. Jahrhundert vor Christus den Solipsismus. Jede Erkenntnis die man gewinnen kann, konstituiert (“setzt fest”) nach seiner Sicht eine eigene Welt, deren einziges Subjekt (denkend handelndes Wesen) das eigene “Ich” ist.
Kann also ein Solipsist also einem anderen Solipsisten begegnen, ohne damit sofort wiederlegt zu sein? Ja, ich denke schon. Denn das Bewusstsein des ersten Solipsisten ist selbstverständlich in der Lage, sich ein gleichgesinntes Bewusstsein vorzustellen. Der andere ist jedoch mit seiner solipsistischen Position im Unrecht, denn sein scheinbares Bewusstsein ist schließlich nur ein Produkt der Vorstellungswelt des ersten Solipsisten.
Und dieser Solipsist ist darüber hinaus das einzige was jemals existiert hat und existieren wird, denn er kann weder geschöpft noch vernichtet werden, ohne dass ein anderes Bewusstsein im Spiel ist. Wenn man den Fallibismus (“jede erkenntnistheoretische These kann weder widerlegt noch bewiesen werden”), Kern des kritischen Rationalismus, ernst nimmt, so muss man immerhin eigestehen, dass der Solipsismus eine Möglichkeit ist. Ich frage mich nur warum ich dann diese Zeilen schreibe! Und – welche Zeilen?


Alleine in der Annahme, dass die das gedacht haben, zeigt mir, dass das nicht wahr sein kann, was sie dachten.
Ich habe ein Bewusstsein, sie mussten also auch eins haben. Und alleine mit ihrem Tod wurde, dass bewiesen, dass sich die Erde noch weiter dreht.
Lieber Clyde,
du machst in deiner Argumentationskette einen entscheidenen Denkfehler, denn “die, die das gedacht haben”, existieren ja laut Solipsismus nur in deiner Vorstellung und haben demzufolge auch kein eigenes Bewußtsein. Da sie also nicht real existiert haben, konnten sie auch nicht sterben. Die Sache ist nicht ganz so einfach, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass diese dich kritisierenden Worte von jemandem geschrieben wurden, der auch nur in deiner Vorstellung geschaffen wurde …
Lieber Felix,
ein noch passenderer Schluss deiner interessanten Gedanken wäre vielleicht nicht “Und – welche Zeilen?” sondern “Und – für wen?”
Ich finde, von allen philosophisch und religiös geprägten Erkenntnistheorien ist doch der solipsistische Ansatz der gruseligste, denn die Antwort auf die Frage “Kann ein Solipsist einem anderen Solipsisten begegnen?” lautet meiner Meinung nach NEIN – da er nicht nur nicht einem Solipsisten begegnen kann, sondern überhaupt keinem ANDEREN – er war, ist und bleibt allein …. bis in alle Ewigkeit … Amen.
Aber wem sage ich das
Übrigens ist das ja wohl das Lustigste, was mir jemals im Internet begegnet ist:
Ein BLOG für Solispsisten !!! Paradoxer geht´s nicht, oder ?
Hallo Stoner,
Meiner Meinung kann ein Solipsist durchaus einm anderen Solipsisten begegnen – in seiner Vorstellungswelt.
Logisch kann er ausschliesslich Solipsisten begegnen. Nicht-Solipsisten wuerden seiner Vorstellungswelt widersprechen und koennten ihm daher nicht begegnen.
Ebenso koennen Nicht-Solipsisten nur Nicht-Solipsisten begegnen.
Ein blog im Internet ist meines Erachtens fuer einen Solipsisten nach der Verinnerlichung (Meditation) der naechst moegliche Weg der Kommunikation. Man redet zu sich selbst – nur in seiner Vorstellungswelt – ohne Gegenueber ausserhalb.
Hallo maxemil,
genau – sag ich doch
Ein Bewustsein kann sich beweisen, dass jeder andere Solipsist falsch liegt. Doch vielleicht ist gerade dieses Bewusstsein der eine Solipsist. Weder Solipsist noch nicht-Solipsist.
Ich mischle noch ein bisschen psychologie ein:
Ich kenne persönlich einen Solipsisten. Jede einzelne Unterhaltung mit ihm ist für mich seltsam weil ich weiss, dass mein Gegenüber von mir denkt, dass ich nur Teil seiner Vorstellung bin.
Diesen Solipsisten halte ich für sehr intelligen.
Er wurde in seiner Kindheit von Gleichaltrigen nie verstanden und war meist einsam.
Meine Frage, habe ich eine Ausnahme kennen gelernt oder ist es ein typisches Kindheitsmuster von Solipsisten?
Denn es ergibt für mich Sinn, dass ein Mensch schneller der überzeugung ist, das einzige Bewusstsein zu sein, wenn er sich nie verbunden und verstanden mit anderen Menschen gefühlt hat.